Kurz nach Mitternacht konnten
heute früh die EU-Finanzminister die "Reform" des Stabilitätspaktes
verabschieden. Verabschiedet haben sie sich von der Stabilität des Euro.
Eigenmeldung über die reformierten Bestandteile
a) Da Schuldenmachen flexibel gehandhabt werden kann, soll dafür in Zeiten
guter Konjunktur verstärkt gespart werden, um nationale Haushalte zu
sanieren. Hierfür gibt es keinen Zwang und keine Sanktionen.
b) Die bisherigen Grenzwerte bleiben bestehen. Weiterhin soll das Defizit
3,0% und die Gesamtschulden 60% des BIP nicht überschreiten.
c) Es werden bei der Einleitung eines Defizit-Strafverfahrens besondere
Ausgaben eines Landes als Ausnahme zugelassen, so dass die Defizitgrenze
ohne Sanktionen überschritten werden kann. Dazu gehören hohe Ausgaben für
die Forschung, für geleistete Entwicklungshilfe, Reformen des
Pensionssystems oder Kosten für die Erreichung der Einheit Europas, wie z.B.
Kosten für die deutsche Wiedervereinigung.
d) Die EU-Länder haben bei schwieriger Wirtschaftslage jetzt länger Zeit zur
Sanierung der Haushalte. Bis zu fünf Jahre sind möglich, ein Defizit wieder
zu reduzieren.
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Das sagt (fragt) die
eLeW:
Chirac und Schröder haben seit Monaten auf die Lockerung des
Stabilitätspaktes hin gearbeitet. Nun braucht Deutschland mit Sanktionen und
Defizitverfahren nicht mehr zu rechnen.
Ein neuer Scherbenhaufen wurde errichtet. Deutschland war mit der harten DM
immer ein Ärgernis für die anderen Staaten mit der Lizenz zum Gelddrucken
und der entsprechenden weichen Währung. Maastricht war Deutschlands Preis
für den Verzicht auf die DM. Jetzt gilt nicht mehr die DM und die
Stabilitätsgarantie wurde von Schröder verschleudert. Die Niederlande und
Österreich waren die letzten Verfechter eines festen Kurses, sind aber am
Ende auch für den Kompromiss eingetreten.
Mit welchen Folgen werden wir
mittelfristig zu rechnen haben?
Erschüttertes Vertrauen in den Euro?
Daraus folgend ein höheres Risiko für Kreditgeber und zwangsläufig höhere
Zinsen? Denn die Schulden werden zunehmen, die Maastricht-Barriere wurde nun
entfernt.
Daraus folgend weiterer Verlust von Arbeitsplätzen?
Gewiss.
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